Symbolik

Anmerkung:

Obige Abbildung soll abstrahiert die Symbolelemente „Person“, „Haus“, „Hund“, „Katze“, „Vogel“, „See“, „Baum“, „Weg“, „Berg“, „Sonne“ und „Wolken“ enthalten.

Zur Symboldeutung - ein Beispiel: Der Hund als Begleiter des Menschen

Das besondere Verhältnis des Hundes gegenüber dem Menschen entwickelte sich über viele Jahrtausende. Vermutlich aus einer wilden natürlichen Lebensweise als Wolf kam es zu einer allmählichen Gewöhnung an den Menschen wie auch einer Unterordnung ihm gegenüber (Domestizierung). Seine genetische Prägung ist für die daraus folgende Bindungsfähigkeit an den Menschen mitverantwortlich: z. B. durch:

  • Emotionalität, Zuverlässigkeit und Treue
  • Anpassungs- und Erziehungsfähigkeit
  • Rollenvereinbarkeit zwischen Hund und Mensch

Nachfolgend soll aus der Beobachtung zweier Situationen ausschnitthaft die Analyse einer symbolhaften Darstellung vereinfacht beschrieben werden:

Eine Person führt einen Hund an einer Leine:

Der Hund ist der Person zugewandt und mit seiner Position wohl einverstanden. Dennoch ist ein Über- und Unterordnungsverhältnis erkennbar: Die Person hat durch die Leine den Bewegungsraum des Hundes festgelegt. Die Leine ist nicht angespannt. Die Person muss den Hund in seinem Verhalten nicht (weiter) einschränken.

Person und Hund sind ebenfalls unterwegs …

Der Hund hat sich von seiner begleitenden Person abgewandt. Seine Aufmerksamkeit gilt einem anderen Objekt. Er möchte zu diesem Objekt. Die zwischen beiden sich befindende Leine ist angespannt. Person und Hund haben momentan abweichende Verhaltensziele. Die Person zeigt keine Bewegung. Sie macht von ihrer Machtstellung offensichtlich Gebrauch.

Anmerkung:
  • Der Beobachtungsgegenstand kann wechseln, z.­ B. zur Beurteilung des eingeschlagenen Weges führen oder die Ausgangslage für die beiden Beteiligten würdigen: z.­ B. „Herrchen“ wollte eigentlich lieber fernsehen, nimmt deshalb eine unverändert „steife“ Haltung ein usw.
  • Obwohl beide Darstellungen (Bilder) unverändert bleiben, lassen sich aus einer sachlichen Beobachtung vielschichtige Deutungen ableiten bzw. vorstellen.

Deutungsschwerpunkt: Leine

Redewendungen mit dem Begriff „Leine“ zeigen die Vielfalt der Deutungsmöglichkeiten: „Zieh Leine!“, “Jemand an die Leine legen“; „Jemand lange Leine lassen“; „Die Reißleine ziehen“. 

Alle Bezüge zeigen eher die Rolle des untergeordneten Lebewesens, aber auch einer organisatorischen Einheit wie z. B. einer (politischen) Gruppe usw. Statt „Leine“ wirkt der Begriff „Kette“ verstärkend. Eine Bindungswirkung kann ohne den physischen Gegenstand auch auf psychischer Ebene bewusst oder unbewusst bestehen.

Deutungsschwerpunkt: Katze

Anders als beim Hund fand bei der Katze eine Domestizierung durch den Menschen nicht statt. Sie „domestizierte sich selbst“, indem sie vor sehr langer Zeit die Nähe zur menschlichen Wohnstätte suchte (Jagd von Schädlingen, z.B. des Ackerbaus im alten Ägypten).

Damit blieb die noch heute zu beobachtende Individualität und Selbstständigkeit in vielen Bereichen erhalten, z.B.:

  • begrenzte Erziehbarkeit im Vergleich zu Hunden, eher fester Wohnbereich;
  • familiäre Anpassung (feste Rituale für Schlaf bzw. Dämmerschlaf, Fressen, Spieltrieb);
  • Nachtaktivität und Jagdtrieb.

Stattdessen können andere Verhaltenseigenschaften die Anwesenheit beim Menschen lohnen, z.B.:

  • Fähigkeit zur Zurückhaltung und Geduld
  • Sensibilität und Charakterstärke

In Märchen lassen sich weitere Rollenbilder erkennen: z.B. Listigkeit oder der Zusammenhang mit bösen Geistern (Hexe in „Hänsel und Gretel“, „Der gestiefelte Kater“).

Anmerkung:

Menschen neigen dazu, den Charakter von Tieren, z. B. einer Katze, stark durch ihre Augen, ihre eigenen Vorstellungen und Emotionen zu interpretieren, ein Phänomen, das als Anthropomorphismus (Vermenschlichung) bekannt ist. Studien zeigen jedoch, dass dies nicht nur Einbildung ist, sondern oft auf tatsächlichen Wechselwirkungen beruht [44].

Deutungsschwerpunkt: Berg

In der Psychologie ist der „Berg“ ein starkes, archetypisches Symbol, das vor allem in der Tiefenpsychologie (insbesondere Jung‘ schen Psychologie [39]) und in Deutung und Umgang mit „inneren Bildern“ (imaginative Verfahren) [40] eine zentrale Rolle spielt.

Der Berg steht im Allgemeinen für Höhe, Bewusstsein, Zielstrebigkeit, Herausforderung und spirituelle Entwicklung.

Aus unserem Sprachverhalten kennen wir Zitate:„Der Patient ist über dem Berg“:

„Ich habe einen Berg Arbeit vor mir“; Hat man die Herausforderung gemeistert, gibt der Blick aus der Höhe das Gefühl von Freiheit und Überlegenheit. Nach christlichem Glauben hat Moses die 10 Gebote auf einem Berg empfangen, usw.
Die im ersten Absatz genannten Zuordnungen lassen sich auch als Zeichen der „Selbstwerdung“ (C. G. Jung) verstehen .

Deutungsschwerpunkt: Baum

Innerhalb der Psychologie lässt der „Baum“ viele zentrale, auch urzeitliche Deutungen und Bezüge zu. Die Begriffe wie Wurzel, Stamm finden für elementare Lebenssituationen und Aussagen, wie Abstammung, Stammbaum ihren sprachlichen Ausdruck.

Sie dienen zudem wichtigen psychologischen Vergleichen zur Persönlichkeitsstruktur des Menschen (z. B. Größe, Stabilität, Standhaftigkeit, Realitätsbezug, Lebenswille). Mit den Ästen und der „Krone“ drücken sich das Streben, Erträge (=Früchte), die Lebenszugewandtheit, Kontakt-, Anpassungsfähigkeit und weitere, der geistigen (psychischen) Ebene zugeschriebenen Eigenschaften aus: Z. B. dem nach C. G. Jung [41] beschriebenem unbewussten Ursprung (Archetyp) und dem bewussten Handeln.

S. Freuds klassische Psychoanalyse weitet die Symbolik u. a. in seiner ‚Traumdeutung“ auch auf die Triebtheorie‘ aus.

Deutungsschwerpunkt: See/Meer

In der Psychologie kann der See als Symbol für das Unbewusste, die eigene Gefühlswelt oder eine Quelle des inneren Erlebens stehen. Weiter führen Eindrücke beim Menschen, die dem Meer zuzuordnen sind. 
Es umfasst sowohl positive wie auch negative Möglichkeiten der tiefenpsychologischen Einordnung:
  • Geheimnisse der Tiefe und Weite, Ort der Sehnsucht, auch von Ängsten
  • Mutter des Lebens

Deutungsschwerpunkt: Fisch

In der menschlichen Kultur tritt der Fisch mit seiner Symbolik mit vielfachen Bedeutungen auf.

In der analytischen Psychologie: Ein bekannter Vertreter der Psychologie, C. G. Jung, vertritt mit seiner Deutung (z. B. im Wasser als Symbol für das Unbewusste kann der Fisch als „verborgene Wahrheit“ aus der Tiefe an die Oberfläche (das Bewusste geholt werden) eine besondere Meinung. Innerhalb eines entsprechenden Trauminhaltes sieht Jung z. B. darin auch mögliche unentwickelte ICH-Anteile, noch vorhandene psychische Energie, die noch aktiver Bestandteil der Persönlichkeit des betroffenen Menschen werden kann [42].

Im Christentum steht der Fisch z. B. als Symbol für die Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft (geheimes Erkennungszeichen). In vielen Kulturen als Erkennungszeichen für Lebenskraft und Fruchtbarkeit, aber auch für Glück und Wohlstand.

Als Symbol in der Politik: Schwarmverhalten und „Schwarmintelligenz“ der Fische. Gemeint ist das sichere Handeln und schnelle Anpassen innerhalb einer größeren Gruppe (Schwarm). In der Politik– anders als z. B. bei Vögeln und Fischen – kann solchen Verhaltensweisen, einer unreflektierten Anpassung an die jeweiligen politischen Verhältnisse und Entwicklungen, bei Menschen großen Schaden anrichten (Verantwortungs- und Kontrollverlust).

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen lässt sich die Entwicklung vieler an Land lebender Lebewesen als ursprünglich dem Meer entstammend vermuten. Die im Meer herrschenden biologischen und chemischen Prozesse sind auch heute von wesentlichem Einfluss:

  • Sie sind als Wirkfaktoren der Ursymbolik innerhalb der menschlichen Psyche verankert.
  • Bezüge zum Meer finden sich zahlreich in der Kunst (z. B. Malerei, Literatur und Musik).

Deutungsschwerpunkt: Vogel

Gegenüber anderen Tiergattungen unterscheiden sich Vögel durch ihre Flugfähigkeit. Damit entsprechen sie dem menschlichen Urwunsch, sich über alles andere zu erheben und damit eine besondere Sicht und Beweglichkeit zu erlangen. In seiner Deutung glaubt der Mensch damit für ihn wichtige Symbole zu verbinden:

  • Unabhängigkeit, Freiheit, auch der Gedanken
  • Urzeitliche Entwicklung und Anpassung

Seit Charles Robert Darwin (1809 – 1882) [43] wesentlich weitere Wege der Entwicklung als möglich erachtete, konnte man die individuellen Entwicklungswege der Vögel verstehen. Einer davon bestätigt auch unvorhersehbare Evolutionssprünge, z. B. auf flugfähige Reptilien (Dinosaurier), welche nach einer Überlebensphase im Wasser (= Meer) wieder an das Land zurückkehrten. Miteinzubeziehen ist auch der in Märchen und Mythen auftretende Drache.

Deutungsschwerpunkt: Weg

In der Psychologie ist der Weg ein bestimmendes, tiefgründiges Symbol. Er bezeichnet den Lebensweg, den Weg der persönlichen Entwicklung (Individuation) und z. B. auch innerhalb psychotherapeutischer Prozesse. 

Gemeint ist damit der Wandel, die Zeit und die Richtung, die ein Mensch (Individuum) einschlägt, im Leben oder in der Entwicklung des eigenen Bewusstseins. Es kann sehr wichtig sein, ob er mit der Betrachtung seines Lebensweges nur zurückschaut (1), sowohl zurück als auch nach vorne (2) oder nur seine zukünftige Strecke ins Auge nimmt (3). Vor ihm liegende Abschnitte lassen sich noch gestalten (z. B. Abzweigungen nehmen, langsamer oder schneller fortschreiten, die Fortbewegungsart wechseln, mehr Achtsamkeit wählen). Bei bereits zurückgelegten Wegstrecken sollte man sich erklären und rechtfertigen können, wie eine positive Einstellung und ein künftig wünschenswertes Verhalten zu erreichen ist.

Anmerkung: In der Grafik sind die Standpunkte der Betrachtung mit 1 bzw. 2 bzw. 3 zu erkennen.

Deutung und Deutungszusammenhang

Die beurteilten Bilder, Vorgänge und Objekte sind in einem jeweiligen Kontext zu sehen. Zurückliegende Prägungen und situative Erlebnisse wirken auf das beobachtbare Verhalten (Bild, Information) mit ein.

Personen, Objekte und Vorgänge lassen sich auch absichtlich so gestalten, dass Beobachtende einer bewussten bzw. unbewussten Beeinflussung unterliegen. Beispiele hierzu finden sich z. B. in der Werbung und der Politik. Information setzt sich häufig aus Bausteinen zusammen, dessen Bedeutung und Zusammenhang oft nicht oder nur unvollkommen bewusst wahrgenommen wird.

Ein Symbol oder symbolhafter Zusammenhang zeigt häufig einen großen Verdichtungsgrad. Dem Vorteil der „kompakten Information“ steht aber möglicherweise die Herausforderung eines hohen Verschlüsselungsgrades gegenüber. Ein erstes Verständnis kann sich in der Folge als falsche Deutung erweisen.

Der Begriff "Symbol" - Versuch einer Definition

Ein Symbol steht für ein Zeichen im weiteren Sinn, das eine tiefere, nicht sofort offensichtliche Bedeutung trägt. In Psychologie, Philosophie, Soziologie, Kunst- und Literaturwissenschaft, Linguistik, Mathematik, Technik, Kartografie ist es von großer Bedeutung, in Theologie und Religionswissenschaft unverzichtbarer Bestandteil.

  • Symbole [38] sind demnach mehr oder weniger automatisierte, überwiegend unbewusst ablaufende Zusammenhänge (Reaktionskomplexe – physiologisch, kognitiv, verhaltensmäßig [4]) zwischen Umwelt und Individuum, aber auch innerhalb der menschlichen Psyche (Bewusstsein und Unterbewusstsein).
  • Inhalte beziehen sich überwiegend auf frühzeitliche (archaische) Grunderfordernisse, deren Bedeutungen durch kulturelle und individuelle Entwicklungen auf das richtige Maß gebracht und angewendet sind.

Alle Symbolebenen bauen aufeinander auf und durchdringen sich. So ist auch die Ursymbolik (archaische Symbolik) nur dann Symbolik, wenn sie zum sozialen und individuellen Wirken gelangt. Entsprechendes gilt auch für die Gruppensymbolik und die Individualsymbolik, die ihren Sinnursprung auf der Ursymbolik aufbauen.

Symbole können eine tiefere Bedeutung haben. Diese geht, oft unbewusst, über die offensichtliche Darstellung oder erste Wahrnehmung hinaus.

Eine wichtige Form symbolisch-verschlüsselter Inhalte finden sich in Träumen, aber auch in Werbebotschaften.

Einteilung der Symbole

Es lassen sich vielfältige Möglichkeiten der Einteilung finden, die sich auch überschneiden können.

Mögliche Einteilungskriterien:

  • Entstehungszeit
    z. B. Epoche der Antike, des Mittelalters, der Neuzeit
  • Kulturkreis
    z. B. christliche, griechische, indische, indianische Symbole
  • Wissenschaftsbezug
    z. B. Mathematik, Technik, Verkehr, Sprachen, Recht
  • Psychologisches Symbol
    vgl. S. Freud, C. G. Jung u. a.
  • Kreis der Betroffenen
    z. B. Gruppen- und Individualsymbolik

usw.

Beispiele:

Paragraphenzeichen – z.­ B. griechische Bedeutung „daneben geschrieben“; juristische Vorschrift

Yin und Yang, stehen insbesondere in der chinesischen Philosophie für zwei entgegengesetzte und doch aufeinander bezogene Kräfte oder Prinzipien. Die damit beschriebene Polarität lässt sich auf viele Zusammenhänge übertragen.

Haus – z. B. Wohnung für Menschen; psychologisches Symbol für die Entwicklung des „Selbst“ – die Bedeutung des „Ich“. Märchen: Lebkuchenhaus …

Eule – Ursymbol der Klugheit und Weisheit, Symbol aus der griechischen Götterwelt; „Till Eulenspiegel“

Rotes Herz – die Bedeutung und Wirkung von Symbolen sind vielschichtig. Sie betreffen Menschen auf verschiedenen Ebenen. Als Beispiel kann ein rotes Herzsymbol „“ dienen:

  • physiologisch: körperliche Reaktionen nach Form und Farbe je nach persönlicher oder kultureller Prägung
    – als eine emotionale Reaktion mit Beteiligung des vegetativen Nervensystems (z. B. Gefühle, Liebe, Geborgenheit oder Sehnsucht. Aktivieren des Limbischen Systems); 
  • kognitiv: Symbole helfen komplexe Informationen schnell zu erfassen und verarbeiten
    – als eine Bedeutungserkennung, Gedächtnisstütze (z. B. bei „ dich“) oder auch sprachlich angelehnt „4you“ oder einem bestimmten Zusammenhang zugeordnet;
  • verhaltensmäßig
    – direkter oder indirekter Einfluss durch erlernte Assoziationen wie Hinweisschilder, Statussymbole oder religiöse bzw. ideologische Symbole. Ebenfalls zu finden innerhalb einer Kommunikation: z. B. „Like-Button“ in sozialen Netzwerken oder bei einer Kaufentscheidung (z. B. „I XY“).
Auch bestimmte Ereignisse oder Handlungen können symbolhaft wirken, wenn ihnen eine bestimmte wiederkehrende Aussage oder Bedeutung und ggf. ein Verdichtungsmerkmal zugeordnet werden kann. Als Beispiel lässt sich z. B. ein Entspannungsverfahren wie das „Autogene Training“ und das Symbol (Schild) zur Verkehrsregelung anführen.

Weitere mögliche Symbole "lesen":

Ohne weitere sachliche Zuordnung, exemplarisch: z. B. Von Außen nach Innen – Reduktion des Energieaufwandes, Rückzug auf elementar Wichtiges; Stärkung grundsätzlicher Gedanken (hohe symbolische Verdichtungsebene, abhängig vom umgebenden Zusammenhang);
Von Innen nach Außen – z. B. von geschützter, klarer Geborgenheit in weitere Bereiche der Bewusstwerdung oder zunehmender Herausforderung oder Unklarheit;

Das Schild [241-30 StVO] als Symbol weist auf das Verhalten bei einer getrennten Nutzung von Radweg und Gehweg hin (geringe symbolische Verdichtungsebene, erkennbarer Zusammenhang bei einer Deutung).