Therapie - kann ich etwas dazu beitragen

Was definiert eine Psychotherapie?

Für deren Wirksamkeit lassen sich einige Gesichtspunkte anführen:

  • Eine Therapie soll
    zu nachweisbaren Verbesserungen bei den Symptomen und dem psychischen Wohlbefinden führen. Die Verbesserungen sollten über die Dauer der Therapie hinaus erhalten bleiben (Wirksamkeit).
  • an die individuellen Bedürfnisse, Ziele und Merkmale des Patienten/Klienten/Teilnehmenden angepasst sein. Zwischen den Beteiligten sollte eine gute therapeutische Beziehung vorliegen (Passung).
  • gut durchführbar sein sowohl für Klienten/Teilnehmenden als auch den Therapeuten (Praktikabilität)
  • ethisch geeignet und zuverlässig sein. Die Therapeutin/der Therapeut handelt verantwortungsbewusst im Einklang mit professionellen Standards und Richtlinien (Ethik und Sicherheit)
  • auf wissenschaftlichen Erkenntnissen oder vergleichbaren Methoden oder Verfahren für die Wirksamkeit beruhen, für die nachprüfbare Kontrollmechanismen bestehen (Zuverlässigkeit)

Anmerkung:

Eine Therapie hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehört die Art des Problems, die Schwere der Symptome, die Motivation und Mitwirkung des Patienten/Klienten/Behandelten wie auch die effektive therapeutische Beziehung oder Atmosphäre.

Therapieformen - einige Beispiele

Verhaltenstherapie

In einer Verhaltenstherapie werden die Ursachen der Entstehung als gelerntes Verhalten und Denken verstanden, welches durch gezieltes Training wieder „verlernt“ und durch konstruktive Verhaltensvorschläge wieder geändert – neu gelernt – werden kann. Die Gegenwart steht im Mittelpunkt der Behandlung. Therapeut und Patient sprechen anfangs darüber, welche Bedingungen und Umstände zur Erkrankung geführt haben und warum diese weiterhin wirksam sind. Gemeinsam werden Therapieziele und ein Behandlungsplan entwickelt. Der Patient kann sich dabei auf seine vorhandenen Fähigkeiten stützen, die verstärkt und erweitert werden, um damit ein neues Denken, Fühlen und Verhalten zu erreichen.

Verhaltenstherapie umfasst eine Vielzahl von Ansätzen:[17]

Kognitive Verhaltenstherapie: Sie konzentriert sich auf die Veränderung von Denk- und Verhaltensmustern, die zu psychischen Problemen führen. Sie basiert auf der Annahme, dass unsere Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Die Therapie beinhaltet Techniken wie kognitive Umstrukturierung, Verhaltensexperimente und Problemlösestrategien.

Gute Erfolgsaussichten hat eine Verhaltenstherapie bei der Behandlung von Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sowie Suchterkrankungen. Auch körperlichen Erkrankungen wie chronische Schmerzen können damit gebessert bzw. ein besseres Zurechtkommen gewährleistet werden.

Reizkonfrontation: z. B. die systematische Desensibilisierung und die Reizüberflutung mit dem Erkenntnisziel, dass ängstliche Erregung und Entspannung nicht gleichzeitig bestehen können – eine Struktur, die auch bei Anwendung des Entspannungsverfahrens Progressive Muskelentspannung (PMR) nach Jacobsen vorliegt.

Operante Verfahren: Das gewünschte Verhalten wird mittels eines positiven Verstärkers (der Operant z. B. Lob) angeregt, wogegen negative Verstärker (der Operant z. B. Tadel) ein unerwünschtes Verhalten vermeiden sollen. Der Patient kann dabei mitwirken, welche Operanten er benutzen möchte (vgl. auch Lernpsychologie).

Modell-Lernen: vgl. auch Lernpsychologie
Erreichen von Lernzielen: Innerhalb des Lernens lassen sich gegliederte Lernzielstufen beschreiben (Taxonomien). Therapeutisch lohnt es, bestimmte vereinbarte Verhaltenskomponenten (Fähigkeiten, Kompetenzen – z. B. Kontaktfähigkeit) zu erreichen.

Auf eine Störung ausgerichtete Methode (vgl. Dialektisch-behaviorale Therapie): Hier kommt es darauf an, beim Patienten ausgebildete Störungsbilder gezielt durch bestimmte Bewältigungsstrategien erfolgreich zu beseitigen.

Beispiel: ABC-Modell der kognitiven Verhaltenstherapie

(das Modell unterscheidet in einen auslösenden Reiz (A = engl. ‚Activating Event‘), nach der daraus folgenden psychologischen Bewertung/Überzeugung (B = engl. ‚Belief‘) und den daraus sich ergebenden Folgerungen für das Verhalten/Reaktion (C = engl. ‚Consequence‘).

Es lässt einen Zusammenhang erkennen, nach dem Gedanken zu Gefühlen führen und diese ein bestimmtes Verhalten auslösen. Der verhängnisvolle Kreislauf setzt sich mit daraus folgenden weiteren gleichartigen oder ähnlich negativen Gedanken fort.

Durch eine Infragestellung der zunächst vorhandenen irrationalen Überzeugung wird als Ergebnis eine Änderung im Denken, also die Annahme von realistischen Werten und Einstellungen angestrebt („kognitive Umstrukturierung“).

Vereinfachtes Therapiebeispiel: Der Besucher einer Behörde erleidet beim Benutzen des Aufzuges einen Schwächeanfall. Er gelangt zu der Überzeugung ‚Aufzugfahren gefährde seine Gesundheit‘ und meidet von nun an Aufzüge.

Therapeutisch soll eine Überzeugung erreicht werden, dass es zwischen dem Benutzen des Aufzuges und dem Schwächeanfall keinen Zusammenhang gibt. Dies lernt der Besucher, in dem er z. B. nach therapeutischer Vorbereitung bzw. unter therapeutischer Begleitung erneut den Aufzug benutzt, ohne dass die negativen Folgen eintreten. Es kann damit eine Änderung der Einstellung erreicht werden.

Beispiele:

Dialektisch-behaviorale Therapie: Sie wurde ursprünglich zur Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt, wird aber auch bei anderen Störungen wie Essstörungen und Suchterkrankungen eingesetzt. Sie kombiniert Elemente der Verhaltenstherapie mit Achtsamkeit und Akzeptanzstrategien, um emotionale Regulation, zwischenmenschliche Fähigkeiten und Stressbewältigung zu verbessern. (Anmerkung: dialektisch = in Gegensätzen denkend; behavioral = nach dem Verhalten ausgerichtet)

Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie: Sie vereinigt Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie mit Achtsamkeitspraktiken. Durch Achtsamkeitsübungen lernen die Patienten, sich bewusst auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren und negative Gedankenmuster zu erkennen und loszulassen.

Soziales Kompetenztraining: [18] Diese Therapieform zielt darauf ab, soziale Fertigkeiten zu verbessern und problematische zwischenmenschliche Verhaltensweisen (Muster) zu überwinden. Sie kann bei verschiedenen Störungen wie Autismus-Spektrum-Störungen, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Schizophrenie eingesetzt werden.

Diese Arten der Verhaltenstherapie können einzeln oder in Kombination angewendet werden, abhängig von den Bedürfnissen des Patienten und der Art der Störung. Sie haben sich als wirksam erwiesen und werden häufig zur Behandlung einer Vielzahl von psychischen Problemen eingesetzt.

Anmerkung: Die Therapeutin/der Therapeut müssen über ein nachgewiesenes Fachwissen und Eignung verfügen.

Analytische Therapieformen

Bei der analytischen und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie stehen unbewusste Erlebnisse und Erfahrungen als Hauptursache einer seelischen Erkrankung im Vordergrund und es ist Aufgabe, diese Einflüsse schrittweise aufzudecken und zu verstehen. Über die Kenntnis der Ursachen häufig „verdrängter Gefühle“ lassen sich Schritte und Betrachtungsweisen entwickeln, mit deren Hilfe sich neue Wege zur Bewältigung von Schwierigkeiten und Konflikten finden. Grundlage ist ein von Sigmund Freud entwickelten Form der Psychoanalyse, aufbauend auf über viele Sitzungen geführten Gesprächen zwischen Psychotherapeut und Patient. Das zwischen Therapeut und Patient sich entwickelnde Vertrauensverhältnis ist mit ausschlaggebend für den eintretenden Erfolg der Therapie.

Hypnosetherapie

In der Therapie wird Hypnose als Werkzeug eingesetzt, um den Zugang zum Unbewussten zu erleichtern und tiefer liegende psychische Prozesse zu erforschen. Durch hypnotische Trance kann der Patient/Klient in einen entspannten Zustand versetzt werden, der es ihm ermöglicht, sich stärker auf innere Erfahrungen, Erinnerungen und Emotionen zu konzentrieren.
Für den Zugang zum Unbewussten bieten sich unterschiedliche Vorgehensweisen an:

Hypnose mithilfe einer Therapeutin/eines Therapeuten (Fremdhypnose)

In der therapeutischen Hypnose bleiben sowohl der freie Wille, das Bewusstsein als auch die Erinnerung an das erhalten, was während der Hypnose an Eindrücken und Botschaften aus tieferen Bewusstseinsebenen auftaucht und unter Mithilfe der Hypnosetherapeutin/des Hypnosetherapeuten analytisch bearbeitet wird.

Beispiel: Auf einen bestimmten Punkt ausgerichtete Hypnose – Fokalanalyse

Hier steht ein bestimmtes Verhalten/Empfinden/Einstellung im Brennpunkt (Fokus) der Therapie. Als Beispiele könnte das Beenden des Rauchens oder die Auflösung traumatischer Erlebnisse mithilfe der Hypnose dienen.

Anmerkung: Zeigt sich bei der tiefenpsychologischen Arbeit, dass doch wichtige Verbindungen zu lebensgeschichtlich bedeutsamen Phasen oder Ereignissen bestehen, kann es ratsam sein, die Therapie auf eine LAH (tiefenpsychologisch-lebensgeschichtlich ausgerichtete Analyse in Hypnose) umzustellen.

Beispiel: Lebensgeschichtlich orientierte Analyse

Schwerpunktmäßig wird hier ein bestimmter Lebensabschnitt bzw. die Lebensgeschichte analytisch betrachtet und aufgearbeitet. Aus dem Unbewussten auftauchende Probleme werden in der Hypnose bzw. der aus der Hypnose stammenden Erinnerung ins Bewusstsein gehoben, durch den Patienten/Klient und mithilfe der Therapeutin/dem Therapeuten einer Lösung zugeführt.

Je nach analytischer Vorgehensweise lassen sich aktuelle Beschwerden oder Konflikte auf tieferliegende Ursachen, ggf. aus der frühen Kindheit stammende Prägungen zurückführen. Sie können innerhalb der lebensgeschichtlich orientierten Hypnose besprochen und aufgelöst (geheilt) werden, ohne damit die eigentliche Lebensgeschichte zu verändern.

Vgl. z. B. Entwicklungsphasen nach Sigmund Freud

Anmerkung: Die Therapeutin/der Therapeut müssen über ein nachgewiesenes Fachwissen und Eignung verfügen

Selbsthypnose

Hierunter zählen Verfahren wie z. B. das Autogene Training. Nach Erlernen und Verfestigen der einzelnen Übungsstufen stellt sich während der Übung „aus dem Selbst“ (= autogen) zunehmend ein vertiefter Ruhezustand ein. Über das vegetative Nervensystem wirken beruhigende Faktoren (Parasympathikus). Bei fortschreitendem Üben lässt sich dadurch dauerhaft z. B. Stress abbauen und die Gesundheit in der gewünschten Weise beeinflussen. Notwendig bleibt die Kenntnis, Einsicht, Selbstverantwortung und Konsequenz, mit der die einzelnen Übungsstufen trainiert und damit verinnerlicht werden müssen.

Für Geübte kann neben den vielen unmittelbaren positiven gesundheitlichen Wirkungen mit einem „formelhaften Vorsatz“ zusätzlich auf das Unterbewusstsein eingewirkt werden.

Beispiel: „Ich bewahre Ruhe und Gelassenheit“

Für einen geeigneten formelhaften Vorsatz sind für dessen Inhalt, Aufbau und Anwendung bestimmte Kriterien zu beachten:

  • Sprache – einfache kurze Aussagesätze in Gegenwartsform; auch die Art der verwendeten Vokale haben Wirkung (z. B. Phobien oder Angst auslösende Klangbilder möglichst vermeiden).
  • Inhalt – positiv und anschaulich formulierte Formel; Vorsatz, der sich auch erfüllen lässt; keine Verneinungen wie „nicht“, „kein“ oder entsprechende Vorsilben wie z. B. „un“, „ent“. Das Unterbewusstsein nimmt lediglich einfache klare Botschaften auf.
  • Anwendung – formelhaften Vorsatz nur in überschaubaren Zeitabständen wechseln, um die Einprägung (Engrammbildung) zu fördern. Als Übende/r einen adäquaten Bezug wählen, der zwischen direkter Beeinflussung (Intervention – z. B. „Kopf ist angenehm kühl und schmerzfrei“) und therapeutischer Wirkung bewusst unterscheidet (z. B. „Ich bewahre Ruhe und Gelassenheit“, „Alkohol in jeder Situation gleichgültig“). Regelmäßig üben (z. B. zwei bis drei Mal pro Tag etwa drei bis fünf Minuten). Die Dauer einer Übung hängt auch vom Grad der Geübtheit ab.
  • Überprüfung (Evaluation) – die innerhalb des Autogenen Trainings gewählten Wege und Entscheidungen sollten auch einer kritischen Würdigung unterzogen werden. Dies kann auf dem Wege einer Selbstreflexion, insbesondere auch innerhalb einer Gruppe stattfinden (Supervision)