Didaktische Analyse

Der Lernstoff

Durch die modellmäßige Nachahmung der betrieblichen Wirklichkeit wird der zu vermittelnde Stoff also nach funktionalen Gesichtspunkten bestimmt und gegliedert. Inhalte aus sämtlichen kaufmännischen Fächern sind angesprochen. Dabei löst sich das Problem der Stoffauswahl auch entsprechend den Erfordernissen der Aufbau- und Ablauforganisation eines Betriebes.

Der zu bemessende Stoffumfang ergibt sich auch aus der zur Verfügung stehenden Handlungszeit und der Aufnahmekapazität der Schüler.

Fragen zur Stoffauswahl:

  1. Welche erkenntnisleitenden wissenschaftlichen Interessen liegen vor? ⇒ Lernziele
  2. Wie kann der Informations- und Erfahrungshorizont, das Begabtenniveau sowie die Interessenlage der Schüler berücksichtigt werden? ⇒  Schülergemäßheit
  3. Werden verschiedene Lernebenen (Lernzielstufen) adäquat den Bedingungsfeldern (Schüler, Stoff) berücksichtigt? Lassen sich psychomotorische Dimensionen sinnvoll einbauen? ⇒ Lernziele
  4. Wie steht es um die fachwissenschaftliche Einschätzung des Lernstoffes? (Richtigkeit, Aktualität) ⇒  fachwissenschaftliche Relevanz
  5. Welcher Bezug zur beruflichen wie gesellschaftlichen Wirklichkeit und Zukunft lässt sich aus den Inhalten ableiten, der dem Adressatenkreis gerecht wird? ⇒  Realitäts- und Zukunftsbezug

Einige weiterführende Gedanken zur didaktischen Reduktion

Die notwendige Stoffauswahl und -begrenzung ist Gegenstand der didaktischen Reduktion. Die umfassende Ermittlung der aus einem Curriculum folgenden didaktischen Entscheidungen der Stoffauswahl können den notwendigen Grad der Aktualität heutigen Lernstoffes nicht mehr gewährleisten. Weitere Unterscheidungen und Anpassungen, möglicherweise Vereinfachungen zugunsten primärstruktureller Aussagen erscheinen deshalb notwendig (vgl. Menüpunkt Didaktische Reduktion oder Erläuterungen in PDF-Datei) .

Das stoffliche Fundamentum

Die vorstehend angeführten Kriterien zur Stoffauswahl gelten allgemein, können aber nicht bzw. nicht vollständig die Kongruenz betriebspraktischer und fachwissenschaftlicher Inhalte herstellen. Dies ist zugunsten anderer Lernziele und -kompetenzen auch nicht ratsam.
Dennoch sollten bei allen Schülerinnen und Schülern neben den funktionalen Basisstrukturen bestimmte Stoffquanten gleichermaßen und nachweisbar vermittelt werden.
Das gelingt mittels der sogenannten „gebundenen Simulationsphase”, in der alle Lernende funktionsparallel fundamentale betriebliche Kreisläufe wie Absatz und Beschaffung samt der mittelbar beteiligten betrieblichen Stellen kennenlernen. Der Unterricht wird dabei wesentlich durch das Medium Arbeitsheft (vgl. Downloadbereich) und ggf. daran gebundener zusätzlicher Übungen (z. B. Beleggeschäftsgang) geleitet.

Allgemeine Überlegungen zur Stoffstrukturierung:

  1. Welche begründeten Verknüpfungen lassen sich mit der oder den Vorstunde(n) herstellen?
    Lassen sich Stoffstrukturen für Folgestunden aufzeigen (einschließlich didaktischer Mikrostrukturen)?
    ⇒ Sachzusammenhang (makrostrukturelle Sicht) – Hilfsmittel: Strukturanalyse
  2. Lässt sich ein sachlogischer bzw. fachwissenschaftlicher Aufbau feststellen, der die Abfolge der Stoffquanten bestimmt?
    Andernfalls: Kann von einem genetisch bedingten Stoffaufbau ausgegangen werden?
    Oder: Sind die Aneignungsstufen durch Strategien bestimmt? (z. B. Entscheidungsorientierter Ansatz)
    Oder: Treten lernpsychologisch begründete Anordnungskriterien in den Vordergrund? (sogenannte methodische Elementarfunktionen wie „Vom Einfachen zum Komplexen“, „Vom Gegenständlichen zum Abstrakten“, „Vom kleineren Lernschritt zur größeren Einheit“ usw.) – adäquat der Thematik und den Bedingungsfeldern
    ⇒  Stoffanordnung der Unterrichtseinheit (mikrostrukturelle Sicht)
  3. Werden mit den Unterrichtseinheiten Inhalte angesprochen, die aus anderen fachwissenschaftlichen Bereichen stammen?
    ⇒  Verflechtungsgrad mit Nachbardisziplinen
  4. Welchem Abstraktionsgrad sind die anzusprechenden Inhalte zuzuordnen?
    Wie ist es um den Grad der Darstellbarkeit bestellt?
    Welchen inhaltlichen Veränderungen unterliegen die einzelnen Stoffelemente? Welcher Problemgehalt wohnt den dargebotenen Inhalten inne? Werden dadurch ausreichend Schüleraktivitäten ausgelöst?
    ⇒  Abstraktionsgrad – Grad der Darstellbarkeit – stoffliche Dynamik – Aufforderungscharakter

Einige angeführte Lernziele sind erst nach wiederholter Thematisierung (Prinzip der konzentrischen Stoffanlagerung) und/oder in Verbindung mit weiteren Lernzielen zu erreichen (Prinzip der Vernetzung von Lernbereichen). Beispiele sind u. a. hierzu die Verbindung der Lernzielbereiche

  • Ablauforganisation (z. B. mit Nummern- und Belegorganisation, wesentlichen Abläufen, organisatorischen Unterlagen, Auswertung von Daten, Gestaltung von Vordrucken, Strukturen der Organisation und Managementkonzeptionen)  – und –
  • Beschaffung, Lagerung, Absatz und Zahlungsabwicklung (z. B. mit typischen funktionsbezogenen zusätzlichen Situationsaufgaben).

Die Lehrerin oder der Lehrer ist in der auszuwählenden Unterrichtsform und dem Unterrichtsverfahren grundsätzlich frei. So erscheint es möglich, insbesondere bei erstmaligem Unterricht von einer stärkeren Vernetzung der Lernbereiche abzusehen, um eine didaktische Überschaubarkeit zu sichern (Unterrichtsprojekte). Bei den folgenden größeren Lernschritten bzw. inhaltlicher Konkretisierung sollte jedoch der funktionelle Gesamtzusammenhang in den Vordergrund treten (Bürosimulation).

Einfache Inhalte vs. komplexe Denkfolgen - ein Widerspruch?

Das Handeln der Schülerinnen und Schüler ist den Lernzielen entsprechend z. B. an Kenntnisse, Fähigkeiten und Einsichten gebunden. Ein wichtiger Entwicklungsschritt besteht im adäquaten Gebrauch von Werkzeugen. Die zunehmende Automation führt allerdings zu einer „Verselbstständigung” der Werkzeuge (z. B. Automatisierte Systeme, KI). Der Mensch gibt wesentliche Handlungsbereiche an das Werkzeug ab. Das Werkzeug erlangt somit eine eigene Handlungskompetenz, wird selbst autorisiert.

Für den bisher mit dieser Aufgabe betrauten Menschen sinken nach einem ersten Augenschein die verbleibenden Anforderungen.

Auf die Situation von Lernenden übertragen, zeigt sich die Gefahr der nur „eingebildeten” Kompetenz. Aufgaben sind jetzt scheinbar leicht zu erledigen. Es droht die Gefahr der Fehleinschätzung.

Der lernpsychologische Grundsatz bei der Stoffauswahl und -zurüstung z. B. vom Leichten zum Schweren muss deshalb teilweise neu hinterfragt und eingeordnet werden: Die Arbeit mit einem Programm zur Auftragsbearbeitung ließe sich so als scheinbar einfach definieren. Andererseits gilt es für die Schülerinnen und Schüler, die verantwortlichen Lehrerinnen und Lehrer, neuen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. Das kann auch bedeuten, vermeintlich einfache Stoffschichten auf darunter liegende notwendige Voraussetzungen (Vorstrukturen) zu prüfen.

Die Schülerin/der Schüler

Regelkreis Unterricht

Die Eingliederung entsprechend den Managementfunktionen

Während die im Lernbürounterricht tätigen Schülerinnen und Schüler sich in vielfältiger Weise mit zu lösenden Aufgaben auseinandersetzen, Ziele definieren und Aufgaben zu bewältigen suchen, muss der Unterschied zwischen beruflicher Praxis und den daraus zu erwartenden Anforderungen bedacht werden.

Bürosimulation heißt adäquates Lernen. Das heißt, der Lerngegenstand sollte sich von manchen Unternehmensspielen des klassischen Managements (z. B. Gewinnmaximierung, optimaler wirtschaftlicher Einsatz der Ressourcen, auch Börsenspielen) unterscheiden: z. B. innerhalb der Managementfunktionen haben für das Anspruchsniveau der Schüler die Ebenen Realisieren und Kontrollieren Vorrang (Sachbearbeitungsebene).

Die im Lernbüro Beschäftigten handeln in zwei Rollen. Einerseits sind sie als Sachbearbeiter ihres Unternehmens tätig. Andererseits sind sie Lernende. Sind die einzelnen betrieblichen Aufgaben fehlerfrei und in eigener Verantwortung dem Unternehmensziel entsprechend zu erledigen, folgt das einzelne Handeln andererseits entsprechend den Lernzielen nach pädagogischen Grundsätzen. (vgl. auch Menü Aufbauorganisation: Organisationsstrukturen).

Der Unterricht umfasst Lernen, das an Handeln gebunden ist. Dies stellt für die Schülerin/den Schüler in hervorragendem Maße eine Umsetzung pädagogischer Grundsätze wie Anschaulichkeit, Praxisbezug und Motivation dar. Gleichermaßen wird der zu vermittelnde Lernstoff in gewissem Umfang seiner Fachsystematik beraubt, tritt die überschaubar und klar eingegrenzte Lernsituation wegen der fächerübergreifenden Sehensweise teilweise in den Hintergrund.

Als unmittelbare Folge können die Schüler die festgestellten Lernziele im allgemeinen erst nach Durchlaufen mehrerer Lernstufen sowie Aufgaben- und Problemsituationen erreichen. In Folge der strengen Operationalität und leichten Überschaubarkeit der Aufgaben fällt den Lernenden die Bewältigung betrieblicher Aufgaben jedoch eher leicht.

Um den Lernstoff schülergerecht zu bemessen, müssen die unterrichtlichen Aufgaben in Umfang und Komplexität variieren.

Die richtige Konzeption der Bürosimulation ermöglicht demnach unterschiedliche → Simulationsmodelle, welche auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt sind.

lernintegration-sw
lerndimensionen-sw

Die Stoffstrukturanalyse klärt vornehmlich die Frage der Stoffelemente, wie sie aufeinander aufbauen, also auch Voraussetzung sind. Wie intensiv einzelne Inhalte und darüber hinausgehend lernzielbestimmte Qualifikationen (z. B. Einsichten und Fähigkeiten) erreicht werden sollen, versucht die Grafik Lerndimensionen zu verdeutlichen.

Die Dominanz der EDV (Digitalisierung)

In einem realen Unternehmen (Beschäftigungssystem) ist die EDV Bestandteil einer sich ständig ändernden Organisationsstruktur. Die Mitarbeiter müssen sich somit als Sachbearbeiter der Fachabteilungen diesen Gegebenheiten anpassen, also stets gleichartige oder ähnliche Funktionen eines optimalen, hochintegrierten Organisationsablaufs (DV-Ablaufs) durchführen.

Grundlegende organisatorische Zusammenhänge und Einsichten wie traditionelle Organisationsstrukturen der Ablauforganisation (Büroorganisation, Auftrags- und Bestellungsabwicklung, Rechnungswesen, EDV-Kenntnisse) setzt man voraus. Während die Automatisierung und Digitalisierung zunehmend Aufgaben übernimmt, werden die dahinter befindlichen Algorithmen für den einzelnen Mitarbeiter immer weniger durchschaubar. Ein Sachbearbeiter ist nur noch Anwender. Der Mangel an Transparenz kann sich auf die von ihm als Sachbearbeiter oder Manager evtl. zu erwartenden ablaufbezogenen bzw. unternehmerischen Entscheidungen negativ auswirken.

Damit erfordert die Zurüstung des Lernstoffes in vielen Fällen eine neue Form von Anschaulichkeit (z. B. Teilauflösung und Sichtbarmachen bestehender Funktionen und Abläufe (sog. Entspezialisierung):

  1. Eher einfache überschaubare Simulation betrieblicher Abläufe unter Einbezug praxisnaher Schwerpunkte;
  2. Praxisnahe eher komplexe Simulation begleitet durch lernpsychologisch unterstützende Verfahren (z. B. vom kleinen Lernschritt zur größeren Einheit).

Beispiel zu 1:
Von den Schülern eher manuell zu verrichtende Lernbüroarbeiten. Stellenbeschreibung und Handlungsanweisungen stehen auf aktuellen Unterrichtsmedien (PC oder Tablet) zur Verfügung (z. B. Effizienz und Ökonomisierung der Büroarbeit).

Anfrage eines Kunden.

Ein Kunde unserer Großhandlung (Simulationsfirma) soll aufgrund des zur Neige gehenden Lagerbestandes eine ANFRAGE an unsere Großhandlung formulieren. Die notwendigen Arbeitsschritte (Arbeitsanweisungen) kann er z. B. auf seinem Tablet-Computer nachschauen …

Die Anfrage wird mit Hilfe der Textverarbeitung formuliert und z. B. als PDF-Datei …

Kundenanfrage

… oder per E-Mail versandt:
 

Der Warenbedarf soll anhand der Lagerdaten ermittelt werden: Es gilt z. B.

Meldebestand = durchschnittlicher Tagesumsatz x Beschaffungstage + eiserner Bestand (= Mindestbestand)

Das EDV-Programm fragt den Sachbearbeiter z. B. nur nach den aktuellen Lieferbedingungen (≅ Beschaffungstage).

meldebestand
pap_mbd

Um die verborgenen Algorithmen bei diesem betriebswirtschaftlichen Anlass verständlich zu machen, hilft z. B. ein Programmablaufplan (vgl. vereinfachte Darstellung).

Warenbeschaffung mithilfe des POS-Systems und ERP?

Eine fortgeschrittene Form der Organisation und Steuerung der Warenleistungen sowie der Lagerverwaltung erfolgt über Warenwirtschaftssysteme. Der Verkauf fasst den Warenstrom in einem oder mehreren Sortimenten zusammen. Er wird durch ein Lager gewährleistet, das flexibel mit Bestandsveränderungen umgeht und rechtzeitig Aktivitäten zur Wahrung einer ausreichenden Verfügbarkeit von Waren sorgt. Erreichen Bestände festgelegte Untergrenzen, muss z. B. rechtzeitig eine Regelung für einen Warenzugang über den Einkauf (die Beschaffung) getroffen werden.

Grundlage für dieses marktwirtschaftliche System ist die Nachfrage der Kunden. Sie ermittelt sich aus dem Bedarf (den Bedürfnissen), der durch die Käufe einzelner Personen und Betriebe veranlasst wird. Die Summe sämtlicher durch Preise bewerteter Warenmengen (Umsatz) wird z. B. als Konsum bezeichnet. Bestimmte Ausgaben stellen möglicherweise betriebliche Aufwendungen dar, herkömmlich in manchen Fällen Investitionen genannt. Dieser „Verbrauch“ wird dann als Aufwand (Wertminderung) regelmäßig durch Abschreibung in einer gesonderten Rechnung festgehalten.

Ein aktuelles Warenwirtschaftssystem (WAWI) bestimmt den Verkauf über eine automatisch ablaufende Registrierung z. B. an einem Kassensystem. Es funktioniert als „Verkaufspunkt“ (engl. „point of sale“ = POS), der eine Vielzahl wichtiger Daten liefert. Stattdessen können auch herkömmliche Aus- und Eingangsrechnungen einschließlich Lieferscheinen vergleichbare, zumindest ausreichende Erfassungsdaten liefern, z. B.:

  • Warenausgang mit Warenart, Menge und Wert (Umsatz), Zeitpunkt und Ort des Verkaufs.
  • Wenn der Warenzugang elektronisch erfasst wurde, sorgt die Software, das Warenwirtschaftssystem (Wawi), teils automatisiert z. B. innerhalb einer Lieferkette (dem Beschaffungssystem) für Nachlieferung.

Das kennzeichnet die Kernabläufe. Weitergehende Funktionen sind darüber hinaus erforderlich:
Rechnungswesen mit Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung, Marketing, Statistik, Personalverwaltung und weiterer Leistungen. Sie lassen sich innerhalb einer geeigneten Software erledigen. Für sie hat sich die Bezeichnung ERP (engl. „Enterprise Resource Planning“) durchgesetzt.

Bedeutung für die Organisation einer Bürosimulation

Sie geht von einer stark vereinfachten, aber strukturell vergleichbaren Funktionsweise aus:

Marktsituation N: Der Warenverkauf wird durch angenommene Nachfrage angestoßen. Die für den Einzelhandel zugeordneten Konsumenten müssen bei der Simulationsfirma SAPELLO GmbH durch eine nach Bedingungen organisierte Beschaffung über die Einzelhändler „befriedigt“ werden. Aus didaktischen und lernpsychologischen Gründen wird zunächst auf den grundsätzlichen Ablauf Bezug genommen:

Anfrage – Angebot – Auftrag – Lieferung – Ausgangsrechnung – Zahlungsausgleich.

Marktsituation P: Entgegen moderner teilweise automatisierter Beschaffungsvorgängen durch Lieferketten oder ähnliche Organisationssysteme, greift das Simulationsunternehmen auch auf der Liefererseite zunächst nur auf traditionelle Abläufe zurück:

Anfrage – Angebot – Bestellung – Lieferung – Eingangsrechnung – Zahlungsausgleich.

In der Marktsituation P sind für eine geordnete Beschaffung einige Vorgaben zu beachten.

Die für die Schule anzunehmenden Lernziele, der Erfahrungs- und Erlebnishorizont gebieten eine dem Lerninteresse und dem Fassungsvermögen der Schüler entgegenkommende Stoff- und Verfahrensreduktion.

Gesondert erwähnt werden muss die dem Einzelhandel im Pirmasenser Modell ehemals zugewiesene Rolle. Aus heutiger Sicht stellt sie trotz der vorhandenen pädagogischen Elementarfunktionen (z. B. Individualität, Konkretisieren, Exemplum) für die Beteiligten einen Verlust an Realitätsbezug dar. Durch Integration und Zusammenschluss ehemals eigenständiger Unternehmen gibt es den Einzelhandel in dieser dort verwendeten Art nicht mehr. Ob stattdessen eine abstrahierte modellmäßig organisierte Form von Kunden und Lieferern stehen kann, ist aus Sicht des Verfassers noch nicht absehbar.

Zukunftsbezug indes fordert einen anderen Schwerpunkt. Elementare Struktureinsichten, Techniken und Strategien sollten hier das vordringliche Bildungsziel sein. In bestimmten Lernsituationen geht Handlungsorientierung inhaltsbezogenem Lernen als Methode voraus, was in dem Grundsatz münden könnte:

  • Erst einmal machen, dann überlegen und hinterfragen.

Das „Machen“ kann sich als Nachmachen oder als Vorgehensweise „Versuch und Irrtum“ unterscheiden. „Nachmachen“ kann der bekannten Methode „Lernen am Modell“ zugeordnet werden, instrumentelles Lernen, Lernen am Erfolg, eine bewährte Ergänzung sein. Wünschenswert bleiben durch Einsicht gefestigte Lernvorgänge.

Der Unterricht Bürosimulation muss von der aktuell herrschenden Dynamik der Inhalte zugunsten struktureller Einsichten entbunden werden. Es stellt sich die bildungstheoretische Frage:

  • Was müssen Schülerinnen und Schüler zum Abschluss eines Bildungsganges wissen – oder besser
  • über welchen Kompetenzen sollen diese danach verfügen können
  • Welche Rechtfertigung, auch „Rentabilität“ zeigen diese, um darauf aufzubauen und nach weiteren Bildungszielen zu streben?

Die Folge einer sich ständig ändernden Lernsituation:

  • Inhalte verändern sich schneller als die zu deren Handhabung und weiteren Entwicklung notwendigen Methoden und Strukturen, auch im Sinne von Elementarfunktionen.
  • Die Kenntnis der und der Umgang mit den bezeichneten Managementfunktionen liefern einen Teil neuer Zugangsmöglichkeiten.

Lernerfolg unterschieden nach den Managementfunktionen:

Ziele setzen – Planen – Entscheiden – Realisieren – Kontrollieren

Regelkreis Entscheiden

Bei jeder zu lösenden Aufgabe lassen sich Vorgehensweisen finden, die in unterschiedlich starkem Maß Anteile der Managementfunktionen beteiligen. Die Ausführungsebene (Sachbearbeitung) betrifft generell eher die Funktionen Realisieren und Kontrollieren. Die konkrete Zuordnung findet mit der Ausgestaltung der zu lösenden Aufgabe statt. Zusätzliche Definitionsräume schaffen weitere nach dem kybernetischen Regelkreisprinzip integrierte Funktionskreise („Vermaschung“ der Regelkreise), d. h. innerhalb einer Teilaufgabe lassen sich tiefer reichende Funktionsketten ausmachen.

Beispiel (aus eher vertikaler Stoffstruktursicht):

  • Innerhalb einer Lagerinventur muss ein Mitarbeiter Gegenstände zählen, messen oder wiegen. Entscheidungsinhalte sind in dieser Aufgabe nicht zu erkennen;
    z. B. kann innerhalb der Aufgabe „Zählen“ eine neue Funktionskette der Managementfunktionen gesehen werden, da sich die Gliederung bzw. Dimensionierung der „Einheiten“ als zusätzlich zu bewältigende Aufgabe herausstellt.

Beispiele (aus eher horizontaler Stoffstruktursicht):

  • Innerhalb einer Lagerinventur muss ein Mitarbeiter Gegenstände zählen, messen oder wiegen. Entscheidungsinhalte sind in dieser Aufgabe nicht zu erkennen.
  • Müssen Inventurgegenstände nach Menge oder Wert geschätzt werden, liegen Entscheidungsmöglichkeiten vor. Es ist ein verantwortungsvolles Handeln gefordert.
  • Lagerbestände sollen darüber hinaus Lieferbereitschaft sichern, nicht notwendige Kapitalbindung oder Lagerverluste vermeiden. Solche Überwachungsaufgaben sind als komplexe und eher unsichere Planungsaufgabe zu kennzeichnen. Es kommen zunehmend automatisierte Entscheidungen zur Anwendung (Bsp. Warenwirtschaftssystem). Mitarbeiter werden dadurch in ihrer unmittelbaren Verantwortung möglicherweise entlastet.

Annahme: In modernen Organisationsformen findet bei betriebswirtschaftlichen Aufgaben ein Strukturwandel zulasten der traditionellen „Ausführungsebene“ statt.

Bürosimulation muss diesen Strukturwandel berücksichtigen, ihre Zielsetzungen (Lernziele) anpassen. Neben neuen Inhaltsstrukturen kommt den dabei anzuwendenden Lernmethoden eine hervorgehobene Bedeutung zu.

Bürosimulation – mehr als ein Lernen aus Versuch und Irrtum?

Bürowirtschaftliche Aufgaben stellen sich in geänderter Form dar. Zahlreiche ehemalige zur Lösung einer Aufgabe notwendigen Einzelschritte sind zugunsten rationeller und durch Technik unterstützter Abläufe ersetzt.

In diese EDV-gesteuerten Algorithmen floss das umfassende Wissen zahlreicher Fachkräfte. Schulisches Lernen hat zum Ziel auch solche Fachkräfte auszubilden bzw. Bildungsfundamente hierfür zu bieten. Je nach Leistungsvermögen von Lernenden bleiben unterschiedliche Lernmethoden gefordert. Insgesamt müssen diese motivierend, anschaulich, wirtschaftlich, aktuell und wirksam sein.

Innerhalb gewünschter Lernsituationen kann nicht jedes dieser geforderten Merkmale gleichermaßen erwünscht bzw. zu erwarten sein, hängt dies erheblich von der Akzeptanz der Lernenden ab.

Eine eher spielerische Begegnung mit dem Lernstoff ließe sich beim Lernen aus Versuch und Irrtum vermuten. Doch das ehemals von Thorndike [15] beschriebene Handeln gründet auf der immer wieder geforderten Wiederholung einfacher Vorgänge, die so gefestigt werden. Strukturelles einsichtsvolles Erarbeiten war bei seinen Versuchsobjekten so nicht erwartet.

Beobachtungen aus dem heutigen geübten Umgang Jugendlicher mit aktuellen Medien wie dem Smartphone erlauben zumindest die Frage, ob sich schulisches Lernen an der beschriebenen Lernmethode ausrichten sollte, denn angebotene Funktionen münden häufig in das erwünschte Ziel. Die innerhalb dieser Lerntheorie angesprochenen Möglichkeiten des Irrens werden durch die stabilen eingegrenzten und gesicherten Fehltritte aufgefangen, mehr noch, so geleitet, dass generell nur vermeintlich erwünschte Erfahrungen eintreten. Das Erfahrungsziel kann dabei auch erst spontan als erreicht beschrieben werden.

Einer kaufmännischen Problemlösung wie einem Warenwirtschaftssystem wohnen zahlreiche Verfahrens- und Plausibilitätsprüfungen inne. Eine verantwortungsvolle und korrekte Bedienung ist dennoch nicht ohne eingreifende Schulung möglich. Strukturelle und fachbezogene Fähigkeiten werden damit vorausgesetzt.

Die Schule sollte dazu erste wichtige Voraussetzungen schaffen. Sie kann als allgemeinverbindlicher Lernort erstes einsichtsvolles Lernen gewährleisten. Das Lernbüro kann mit Bürosimulation mittels handlungs- und eigenverantwortlichen Lernens einen bedeutenden Beitrag leisten. Die vorgenannten Praxisstrukturen sollten dabei in einem angemessenen Verhältnis schülergerecht aufgelöst bzw. aufbereitet werden.

Grundsätze:

  • Verwendete EDV-Lösungen arbeiten idealerweise mit didaktisch reduziertem Mengen- und Funktionsgerüst.
  • Komplexe Algorithmen sollten ggf. zugunsten einfacher Teilabläufe schrittweise aufgelöst werden können (Entspezialisierung).

Beispiel:

Erst die Aufgabe Ordnen und Vergleichen zwingt zum Finden von Merkmalen. Neue Erkenntnisse und Methoden lassen sich durch Vergleiche gewinnen. Gegenstand dieses Lernprozesses kann eine Karteikarte aber auch das Konstrukt der Künstlichen Intelligenz (KI) sein.

Wesentliche Teile der Lernbüroarbeit tragen bei diesem Simulationsmodell also einen eher unterweisenden Charakter. Eine geeignete Unterrichtsform bietet hier der „programmierte“ Unterricht, wie er bereits im Einsatz von sogenannten Lernprogrammen Einsatz fand bzw. findet.[4]
Beispiel dreier Unterweisungslektionen (PDF-Dateien):
(Einige didaktische Überlegungen hierzu …)

Einige Tage in der Sapello GmbH ...
Geschäftsbeziehung zu einem Kunden
Geschäftsbeziehung zu einem Lieferer

Anmerkung:

Der Einsatz von Tutorials/Lernvideos, wie sie heute verfügbar sind, genügt meist nur unzureichend den Erfordernissen einer didaktisch-methodisch aufgebauten Lerneinheit. Wesentliche Bestandteile wie Teilwiederholungen, Erfolgs- und Ergebnissicherung, Anspruchsvariation, Induktivität o. ä. fehlen teilweise oder ganz. Es fehlt das „Feedback“. Der Konsument hat eine eigene Verantwortung, diese fehlenden pädagogischen Elemente im Rahmen seiner Möglichkeiten selbst zu organisieren (eigenverantwortliches Lernen – vergleiche z. B. durch den sogenannten Programmierten Unterricht [11])

Der Lernprozess

Innerhalb der Schule (Lehr-Lern-System) müssen demgegenüber andere Schwerpunkte gesetzt werden. Dies hat eine andere Vorgehensweise zur Folge. Lernen besteht hier neben weiteren Lernbereichen einerseits aus
• Erfassen von Strukturen (fachwissenschaftlicher Aspekt)
und andererseits aus dem
• Lernen von Funktionen (praxisbezogener Aspekt).

Der Veranschaulichung kann auch der neben- bzw. nachstehende Vergleich der Lernansätze dienen.

Siehe auch Seite Lernverfahren!

Der Frage nach dem Lernstoff, seiner Zusammensetzung, seiner Gestalt und Struktur folgen Überlegungen der Umsetzung und Organisation des Lerngeschehens. Dem Unterricht sollte die richtige Einschätzung des „Lernwiderstandes“ der Schülerinnen und Schüler zugunsten echten Lerninteresses bei adäquaten Zielvorgaben (vgl. Simulationsmodelle) zugrunde liegen. Die umzusetzenden Lehrstufen (Teilziele) vereinen sowohl die funktionale Aufgabenstellung wie auch die schülerspezifischen Anforderungen und Lernsichten. Die Unterrichtsleitung (Lehrerin/Lehrer) begleitet das im Wesentlichen selbstgesteuerte und durch Gruppenarbeit gekennzeichnete Lernen.

Der Lernerfolg lässt sich trotz komplexer Aufgabenstellungen und Abläufe mittels der vorgegebenen und erarbeiteten Strukturen zuverlässig sichern. Die Lehrerrolle verlangt eine gute Kontaktfähigkeit, einen sozial-integrativen Erziehungsstil, gute sprachliche Artikulation bei flexiblem sicherem Auftreten.

Die Wahl geeigneter Lernverfahren unterscheidet in Aussagen zur

  • gesamten Methodik des Unterrichts im Lernbüro – wie auch zur –
  • Verfahrensweise für einzelne Unterrichtseinheiten oder Unterrichtsstunden.

Methodische Überlegungen zum gesamten Unterricht:

Je nach Beobachtungsschwerpunkt lässt sich feststellen, dass entdecken-lassende und impuls-setzende Aktionsformen den Hauptschwerpunkt darstellen. Die Schüler arbeiten überwiegend in Partnerarbeit (Arbeitsteam), im weiteren Sinne in unterschiedlichen Rollen einer die Praxis nachahmenden Simulation. Sowohl die Arbeitsanstöße als auch die einzelnen Lernerfahrungen ergeben sich aus diesem Zusammenwirken. Durch die Unterrichtsleitung können dazu gesonderte Unterrichtsimpulse gegeben werden.

Die einzelnen Lernsituationen wechseln zwischen Phasen, in denen erklärend-induktiv, ganzheitlich-interpretierend oder durch Aufzeigen von Widersprüchen und Schwierigkeiten sowie deren Überwindung (dialektisch) fortgeschritten wird.

Eine wichtige Rolle spielen zusätzlich das Lernmaterial, also die insgesamt in der Arbeitsumgebung vorliegenden Arbeitsunterlagen (Tabellen, Listen, Berichte, Formulare) und andere Medien (Computer, andere Bürogeräte). Hinzuzurechnen sind aber auch die Mitarbeiter (Mitschülerinnen und Mitschüler), welche einen nicht unerheblichen realen Einfluss ausüben.

Methodische Überlegungen zum Aufbau einer einzelnen Unterrichtstunde oder Unterrichtseinheit. Es gilt zu untersuchen, inwieweit das klassische unterrichtliche Phasenschema z. B.

  • Hinführung, Zielangabe, Motivation,
  • Erarbeitung (Gliederung in Teilschritte),
  • Erfolgskontrolle.

anzuwenden ist. Bei der Erledigung betrieblicher Aufgaben können Inhalte auftreten, die eine Strategie wie z. B. den entscheidungsorientierten Ansatz verlangen (Leitungsaufgaben) – vgl. Seite → Lernverfahren.

Pädagogisierung vs. Automatisierung

Der Unterricht innerhalb des Lernorts Schule muss anderen Prinzipien folgen als sie sonst am „Lernort“ Praxis richtigerweise anzutreffen sind. Wichtige pädagogische Grundsätze des Lernens unterscheiden sich von den Ausbildungsgrundsätzen des sogenannten Beschäftigungssystems.

Eine reine Nachahmung der Wirklichkeit (Realität) erscheint nicht sinnvoll. Innerhalb einer Schulklasse finden sich alle gleichermaßen als Lernende (Anfänger). In der Organisation z. B. einer öffentlichen Verwaltung oder eines Wirtschaftsbetriebes hingegen ist man als Lernende/r meist gut in eine funktionierende Organisation eingebettet.

Der Rationalisierungseffekt einer modernen DV-Organisation führt bei organisatorischen Aufgaben sehr schnell zu einer sachbezogenen Lösung. Nach Drücken der entsprechenden Computertaste ist die Aufgabe erledigt. Bei Schülerinnen und Schülern führt aber deren häufige Wiederholung neben einer nur oberflächlichen Erfahrung eher zu Langeweile, wenn nicht sogar Demotivation. Bei gewerblichen Arbeitsstellen empfindet der Arbeitnehmer darin möglicherweise noch eine motivierende Entlastung.

Vgl. dazu auch den Menüpunkt → DV-Organisation.

Vergleichen Sie dazu auch die Ausführungen innerhalb der für die Lernziele angeführten Lernbereiche ...

Weitere interne Links: